Ein Kommentar zur Austellung im Focke-Museum "So viel Wandel war nie"
Das Focke Museum zeigt gegenwärtig die Ausstellung "Bremen 1945 bis 2010 - Soviel Wandel war nie" vom Wiederaufbau Bremens bis zur Gegenwart. "Die Ausstellung erzählt die Geschichte Bremens in den letzten 65 Jahren: Wie aus den Trümmern der Nazi-Zeit in den 1950er und 1960er Jahre eine prosperierende Stadt mit demokratischen Verhältnissen und sozialem Fortschritt aufgebaut wurde, wie in den bewegten Jahren nach 1968 ein Aufbruch zu mehr Partizipation mit großen Veränderungen von Lebensweise und Kultur stattfand." Es werden der Wiederaufbau der Stadt, die Entwicklung politischer und wirtschaftlicher Strukturen sowie kulturelle Veränderungen anhand von Dokumenten, Fotografien Plakaten sowie Ausstellungsstücken gezeigt. Ergänzende dazu kann man Interviews und Musikbeispiele hören.
Eine fünfzigjährige Entwicklung darzustellen ist sicher nicht einfach: was muss unbedingt in eine solche Ausstellung aufgenommen werden, was kann man weglassen? Welches sind die wichtigen, entscheidenden Punkte eines gesellschaftlichen Wandels?
Dass bei dieser Auswahl Frauen und ihr Anteil an den Entwicklungen nur an wenigen Stellen zur Sprache kommen, ist jedoch mehr als befremdlich. Weder wird der Beitrag der Frauen bei der Beseitigung der Trümmer gewürdigt, noch ihre Arbeit zur alltäglichen Lebensbewältigung in der unmittelbaren Nachkriegszeit noch als Hausfrauen, die weitgehend die Familien- und Kinderarbeit übernahmen und dies bei zunehmender Erwerbsarbeit ab Mitte der 50er Jahre. Selbst die Tatsachen, das erstmals nach dem Krieg eine Frau - Käte Popall - Senatorin wurde, die Entstehung des Bremer Frauenausschuss, der im Unterschied zu andern Bundesländern noch heute aktiv ist sowie die Einrichtung der Gleichstellungsstelle werden nicht erwähnt. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung ist aber ohne die von Frauen geleistete Arbeit in der Familie und ihr Engagement (vielfach auch ehrenamtlich) in sozialen Einrichtungen, ganz zu schweigen von ihren Leistungen im Bildungs- und Gesundheitswesen und in den Dienstleistungsberufen, nicht denkbar.
Auch bei der Auswahl der Dokumente und Fotografien sind überwiegend Männer zu finden, und wenn Frauen zu sehen sind, werden sie nicht genannt. Und so ist denn auch nicht verwunderlich, dass auch im Rahmenprogramm keine Veranstaltung die Lebenswirklichkeit von Frauen oder ihre kulturellen, politischen oder sozialen Beiträge thematisiert.
Musseen tun sich immer noch schwer, bei der Konzipierung von Ausstellungen, das "Thema Frau" nicht als etwas zu begreifen, was noch hinzugefügt werden muss, sondern Ausstellungen
von vorne herein unter der Fragestellungen zu konzipieren: Wie hat sich die soziale und politische Entwicklung auf die Gechlechter jeweils ausgewirkt?
Roswitha Muttenthaler und Regina Wonisch haben sich mit dieser Problematik in einem lesenswerten Buch befasst.
Hier gibt es eine kompetente Rezension zum Buch
Ausflug nach Verden:
Im November 2010 machte eine Gruppe des Frauenmuseums einen Ausflug nach Verden, um an einer Stadtführung auf den Spuren Anita Augspurgs,
die in Verden geboren ist, teilzunehmen. dies war Anlass für uns, einen Brief an den Bürgermeister zu schreiben und wir erhielten eine erfreuliche
Antwort:
Sehr geehrter Herr Brockmann,
Vor Kurzem hatten wir - eine Gruppe des "Bremer Frauenmuseum" - die Gelegenheit, Verden kennenzulernen und konnten - dank der sachkundigen Führung durch Frau Ursula Schramm - auch Vieles über die Geschichte der Stadt erfahren.
Dabei haben wir aber wiederholt Legenden an Straßen- bzw. Platzschildern sowie an historisch interessanten Gebäuden Informationstafeln vermißt. Wir meinen, dass es für eine so schöne Stadt wie Verden nur von Vorteil sein kann, wenn beim Gang durch die Straßen zu lesen ist, dass z.B. die von der Großen Fischerstraße abbiegende Hertzigeriede nach der Leiterin der ersten privaten Mädchenschule Verdens oder der Anita-Augspurg-Platz nach einer auch international gerühmten Juristin und Frauenrechtsvertreterin benannt ist. Ebenso würde eine Tafel am leider zugemauerten Erker - rechts neben dem Eingang zur Johannes-Kirche - die darüber informiert, dass sich dort ledige Mütter den Beschimpfungen durch die Kirchenbesueher aussetzen mussten, auf Interesse stoßen.
Deshalb möchten wir Sie als Bürgermeister bitten, eine Initiative zum Anbringen der fehlenden Informationen anzuregen.
Wir erlauben uns, eine Kopie unseres Schreibens an Sie der Gleichstellungsbeauftragten Verdens, Frau Rosemarie Guhl, zu schicken.
Mit freundlichen Grüßen,
i.A. Romina Schmitter
und hier die Antwort:
Ihr Schrelben vom 30.11.2010
Stadt Verden (Aller)
Der Bürgermeister
Fachbereich Stadtentwicklung
Stadtmarketing
Daniela Baron
Sehr geehrte Frau Schmitter,
vielen Dank für Ihren netten Brief mit den Anregungen zur Beschilderung historisch wichtiger Orte in Verden.
Die Stadt überarbeitet derzeit die Schilder an den historischen Gebäuden und möchte zusätzlich bedeutsame Platze und Quartiere erläuternd ausschildern. Eine Arbeitsgruppe hat bereits Texte vorbereitet und die Gelder für die Umsetzung sind im Finanzhaushalt für das Jahr 2011 vorgesehen.
Gerne nehme ich zusätzlich Ihre Idee auf, auch die Herkunft der Namen für die Straßenbeschilderung zu erläutern. Manches liegt auf der Hand und keiner denkt daran.
Kommen Sie also gerne wieder nach Verden - das bis dahin durch Ihr Engagement vielleicht noch ein kleines Stück schöner geworden ist. Danke dafür!
Mit den besten Grüßen
i.A. Daniela Baron
Wer Interesse an der Führung hat, kann sich hier anmelden.
Die Rolle der Frauen im Prozess der deutschen Einigung - Spannende Veranstaltung zum Tag der deutschen Einheit am 28. September im Rathaus
Der Bremer Frauenausschuss und das Bremer Frauenmuseum luden in den Kaminsaal des Rathauses zu einer Podiumsdiskussion, und viele interessierte Frauen kamen, um die
interessanten Diskussionsteilnehmerinnen zu hören:Auf dem Podium:Tatjana Böhm, Soziologin, 1989 Mitbegründerin des Unabhängigen
Frauenverbandes der DDR,heute Referatsleiterin im Ministerium für Arbeit, Soziales,
Frauen und Familie des Landes Brandenburg,
Ute Gerhard, em. Professorin für Soziologie, Mitbegründerin und Direktorin des
Cornelia-Goethe-Centrums für Frauenstudien und Geschlechterforschung der
Universität Frankfurt (Main),
Anette Niemeyer, Mitbegründerin der Unabhängigen Frauenverbandes Rostock, bis
1994 Schiffbauingenieurin, heute Fraktionsgeschäftsführerin der Fraktion
Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 in der Rostocker Bürgerschaft,
Dr.Anne Ulrich , Geschäftsführerin Grüne Akademie der Heinrich Böll-Stiftung, Berlin,
Im Mittelpunkt der Diskussion, die von Renate Meyer-Braun souverän moderiert wurde, standen die unterschiedlichen Erwartungen, die die Frauen jeweils an die anderen hatten. Notwendigerweise musste es dabei zu
Enttäuschungen kommen: während die ostdeutschen Frauen schnell in die Verteidigungsposition gerieten, um mindestens das zu halten, was sie eigentlich noch zu verbessern trachteten, sahen die westdeutschen Frauen ihre Hoffnung auf schnelle Lösung anstehender Probleme durch die "Neuen" nicht erfüllt.
Während die ostdeutschen Frauen sich unmittelbar in die politischen Prozesse einmischen mussten, war es ein Nachteil der
westdeutschen autonomen Frauenbewegung, die zum Zeitpunkt der Wende ohnehin nicht mehr als Aktionsbündnis exisierte - dass sie sich auf eigene Projekte konzentriert hatten und ihr politischer Einfluss nur punktuell zu verzeichnen war. So kämpften die ostdeutschen Frauen um Gleichstellungs
stellen, deren Einrichtung die autonome Frauenbewegung zunächst vehement abgelehnt und sich alternativ auf die Etablierung eigener Projekte konzentriert hatte. (Dass sie in Bremen z.B. dennoch eingerichtet wurde, geht auf die Aktivitäten der parteipolitisch und gewerkschaftlich organisierten
Frauen zurück.)
Eine wesentliche Forderung im Vereinigungsprozess war die nach einer neuen deutschen Verfassung. Aus diesem Grund wurde auf einem Kongress in Frankfurt die Frauenforderungen ost- und westdeutscher Frauen formuliert, die aber - so berichtete Ute Gerhard - in den Männerklüngeln, die dann letzlich über den
Einigungsprozess entschieden, keinerlei Berücksichtigung fanden. Eine neue Verassung wurde nicht beschlossen. Frauen waren generell in den entsprechende Aussschüssen des Einigungsprozesses nicht vorhanden.
Wenngleich die Teilnehmerinnen des Podiums konstatierten, dass die Lebensbedingungen von Frauen sich angeglichen hätten - allerdings eher in negativer Hinsicht (Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse), wurde jedoch auch angemerkt, dass auch nach 20 Jahren nicht alle Unterschiede
aufgehoben seien - dies sei auch den unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen, den Erfahrungen des Einheitsprozesses selbst und den immer noch unterschiedlichen Chancen geschuldet.
E.Laudowicz
Detailliertere Informationen über den Einheitsprozess und seine Auswirkungen auf Frauen hat Romina Schmitter in einem Artikel zusammengefasst, den sie hier lesen können.
und hier noch ein interessanter link zum Thema.
Jubiläum 15 Jahre Bremer Frauenmuseum e.V. i
Der Verein Bremer Frauenmuseum e.V. entfaltet seine Aktivitäten in den Bereichen Ausstellungen, Vorträge und Veröffentlichungen.
Darüber hinaus initiiert er verschiedene Projekte, wie die Erhaltung eines Kaisenhäuschens, die Beschilderung von Wohnhäusern berühmter Bremerinnen, die Erstellung von Legenden zu Straßenschildern, die den Namen einer Frau tragen.
Der Verein Bremer Frauenmuseum e.V. feierte am 10. Oktober 2006 seinen 15. Geburtstag.
von links nach rechts:Ellen Terwey, Renate Meyer-Braun, Petra Brödner
Artikel Bremer Nachrichten, 19.10.2006
"Unser Museum ist jetzt weltweit offen"
Bremer Verein feiert 15-jähriges Bestehen / Noch immer keine eigenen Räume, aber dafür im Internet vertreten
Von unserer Mitarbeiterin Tina Groll
Das Bremer Frauenmuseum ist mitten in der Pubertät: "Schließlich sind wir jetzt 15 Jahre alt", sagte die stellvertretende Vereinsvorsitzende Petra Brödner auf der Feier des Museums. "Und endlich haben wir einen Raum gefunden. Einen, der 24 Stunden am Tag offen ist und weltweit besucht werden kann. Wir haben eine Internetseite." Das feierten 50 Bremerinnen in den Räumen der Zentrale zur Gleichstellung der Frau (ZGF).
Das Bremer Urgestein Ellen Terwey erschien mit einer Gitarre und besang die Geschichte des Vereins, der noch immer keine Räume gefunden hat. Der Verein kann sich die Mietkosten für ein Gebäude noch immer nicht leisten, öffentliche Zuschüsse gibt es für dieses Projekt kaum. Eigentlich hatten die Frauen immer geplant, in das Packhaus im Schnoor einzuziehen. "Aber die Stadt hatte andere Pläne", deutete Petra Brödner damit den langjährigen Kampf zwischen dem Verein und der Bürgerschaft an.
Auch Ellen Terwey aus dem Ostertor erinnert sich an die vielen Kämpfe, die hinter ihnen liegen. "Es war nicht immer leicht. Aber so ist es halt unter Frauen und mit den Männern", sagt sie und lacht. Terwey hat das Frauenmuseum mitgegründet. Gemeinsam mit anderen Bremerinnen stellte sie fest, dass zwar viele Frauen wichtige Beiträge zur Entwicklung geleistet hatten, aber man kaum Material in historischen Dokumenten über sie fand. So entstand unter der Mitwirkung des Staatsarchivs noch vor Vereinsgründung das Bremer Frauenlexikon und daraus der Wunsch, ein Museum zu gründen und so für Anerkennung, Feminismus und die Gleichberechtigung der Frauen in der Hansestadt zu kämpfen.
Seit 1991 erinnert der Verein nun an die Verdienste bedeutsamer Bremerinnen und dokumentiert auch die Leistungen von Frauen in Kunst und Gesellschaft. An dieser Arbeit haben sich hunderte von Bremerinnen in all den Jahren überwiegend ehrenamtlich beteiligt. "Wir konnten uns lange Zeit nicht einmal einen Telefonanschluss leisten", erinnert sich Petra Brödner. Dass das Frauenmuseum aber noch immer viel bewegt in all den Jahren, aber es muss weitergehen.
"Unser Projekt vom Frauenmuseum, das in einem Gebäude untergebracht sein soll, haben wir bis heute nicht verwirklichen können", betont Ellen Terwey. Dafür gibt es frauengeschichtliche Stadtrundgänge durch die Altstadt und regelmäßige Ausstellungen, die in den Bremer Museen und Wissenschaftseinrichtungen zu Gast sind. Zum Beispiel hat das Frauenmuseum Mitte der 90er Jahre als Begleitung seiner Wanderausstellungen zahlreiche Publikationen herausgebracht, darunter ein Buch über die Gräber auf dem Riensberger Friedhof oder über das Leben der Gräfin Emma.
"Wir sind eben ein mobiles Museum geworden", sagt Petra Brödner und präsentiert den Internetauftritt des Vereins. Auf der Homepage ist ein Archiv zu finden, das man kostenlos nutzen kann. Das Frauenmuseum plant auch, das Frauenlexikon online zu stellen. Und auch sonst sind die Pläne zukunftsweisend. Der Verein sucht weiterhin Frauen, Mädchen und Männer, die Mitglied werden wollen oder sich engagieren möchten. Derzeit arbeitet das Museum an einer Vortragsreihe zum Thema Bildung und Frauen, die am 1. November 2006 starten soll.
Download Originalartikel Bremer Nachrichten 19.10.06
1. Tagung des Verein Bremer Frauenmuseum 1990
Eröffnungsrede
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