Leserbriefe des Bremer Frauenmuseums
 


Leserbrief zum Artikel von Rose Gerdts-Schiffler, Bremer Nachrichten/Weser-Kurier 17.03.2011: Freispruch im Vergewaltigungsprozess
6 Männer vergewaltigen eine 17-jährige, vaginal, oral, anal;
das Ganze stundenlang und in einem unbewohnten Haus, wobei sie neben ihren Geschlechtsteilen auch eine Flasche einsetzten (taz, 17.03.2011). Das Urteil lautet: Freispruch!!!
Wie so etwas möglich ist, obwohl der Richter das Opfer für „absolut glaubwürdig“ hielt, geht aus dem detaillierten Bericht von Rose Gerdts-Schiffler hervor. Danach soll eine umfassende Beweisaufnahme nicht möglich gewesen sein: 1.Der Prozess begann erst 3 Jahre und 4 Monate nach der Tat. Grund: Personalmangel beim Gericht. 2.Die Untersuchung des Opfers im Krankenhaus wurde unvollständig durchgeführt.
3.Das Opfer brach während der Verhandlung zusammen und war damit nicht vernehmungsfähig.
Die ungeheuerlichste Begründung des Freispruchs aber ist – viertens – die Argumentation der Verteidigung:
Die Täter hätten keine Gegenwehr der 17-jährigen feststellen können. Offenbar ist die unsägliche Unterstellung, Vergewaltigung sei für eine Frau eine „vis haud ingrata“, eine „nicht ganz unwillkommene Gewalt“, die jahrhundertelang der Entlastung von Vergewaltigern gedient hat, immer noch geeignet juristisch zu funktionieren, selbst wenn – wie im vorliegenden Fall – ein Mädchen, dem aller Wahrscheinlichkeit nach K.O.- Tropfen eingeflößt wurden, 6 Männern ausgeliefert ist und Frauen sich auch bei einem Täter nicht wehren, weil sie um ihr Leben fürchten. Wie ein Bremer Kriminalist einmal sogar empfahl: „Lieber drei Minuten einen Mann auf dem Bauch, als das Leben lang tot.“ Jedenfalls können sich die 6 Täter nach ihrem Freispruch mit Gelassenheiit über weitere Opfer hermachen.
Romina Schmitter

Leserbrief: am 8. März 2009 wurde Dr. Elisabeth Riemer-Noltenius vom Bremer Frauenausschuss zur Frau des Jahres gewählt. Daraufhin gab es zahlreiche Artikel in der örtlichen Presse. Da das Bremer Frauenmuseum die Gewählte vorgeschlagen hat, möchten wir auf diesen Seiten zum Artikel der SPD Stellung nehmen:


FDP kritisiert Wahl zur Frau des Jahres 2009, WK vom 12.3.09
Der Verein Bremer Frauenmuseum e.V. hält die Aufforderung der FDP an Frau Dr. Riemer-Noltenius, die Auszeichnung "Bremer Frau des Jahres" zurückzugeben, für eine Zumutung und für völlig inakzeptabel. Hier wurde eine Frau geehrt, die sich in jahrzehntelangem Einsatz mit beispielhafter Energie für eine Verbesserung der Rolle der Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen und damit für die Gleichstellung von Mann und Frau engagiert hat. Auf vielerlei Gebieten, in vielen Organisationen hat sie gegen die strukturelle Benachteiligung von Frauen gekämpft und in ihrem Elan viele mitgerissen. Ihre Initiative, in Bremen einen Beginenhof als eine Wohn- und Lebensform für Frauen zu errichten, mit der sich Bremen auf der EXPO 2000 schmückte, hat bundesweit Nachahmung gefunden. Der bisher nicht erhärtete Vorwurf der Konkursverschleppung kann nicht die Lebensleistung dieser Frau schmälern. Der Bremer Frauenausschuss tat deshalb recht daran, sie mit dem Titel "Bremer Frau des Jahres 2009" zu ehren.
Für den Verein Bremer Frauenmuseum
Prof. Dr. Renate Meyer-Braun, Bremen

Leserinnenbrief zum Kommentar von Axel Schuller im Wümme-Report vom 15.03.2009 Unter der Überschrift "Im eigenen Saft" kritisiert Herr Axel Schuller die Ehrung von Frau Dr. Erika Riemer-Noltenius durch den Bremer Frauenausschuss (BFA). Herr Schuller nennt zwei andere herausragende Frauen, eine Wissenschaftlerin und eine Unternehmerin, die seines Erachtens viel besser geeignet wären. Hierbei übersieht Herr Schuller nun völlig die Begründung für die Auszeichnung "Frau des Jahres". Es geht darum, Frauen zu ehren, die sich in diversen gesellschaftlichen Feldern - über das berufliche Maß hinaus - speziell für Frauen eingesetzt haben. Die Auswahl der "Frau des Jahres" ist zudem an das Motto des Internationalen Frauentages geknüpft, dieses Jahr "60 Jahre Gleichberechtigung". Es geht also um die Ehrung einer diesem Motto entsprechenden, verdienstvollen Bremerin. Die Anregung Herrn Schullers, die Wissenschaftlerin und die Unternehmerin im Rathaus zu ehren finden wir großartig und schlagen die beiden Frauen für die Gästeliste des Schaffermahls 2010 vor!

Christine Holzner-Rabe,
Bremer Frauenmuseum e.V.

In der TAZ erschien am 15. Januar 2009; S.15 ein Portrait über Josph Proudhon. Romina Schmitter schrieb dazu:
"Der anarchistische Kleinbürger" von Arno Münster
In seiner ganzseitigen, nicht unkritischen Würdigung des Pierre Joseph Proudhon hat der Verfasser offenbar übersehen, was der französische Sozialist und Anarchist von der weiblichen Abteilung der Bevölkerung hielt.
In seinem Standardwerk "De la Justice dans la Revolution et dans 1'Eglise" (1858; die Gerechtigkeit in der Revolution und in der Kirche) schrieb er u.a.: "Von Natur aus unproduktiv, passiv, ohne Aktivität noch Verstandeskraft, ohne Gerechtigkeitssinn noch Schamgefühl braucht sie einen Vater, einen Bruder, einen Liebhaber, einen Herrn, kurz gesagt: einen Mann... Da die Frau dem Mann vom Bewußtsein wie den intellektuellen und körperlichen Fähigkeiten her unterlegen ist, spielt sie als privates wie öffentliches Mitglied der Gesellschaft eine eindeutig zweitrangige Rolle. Vom moralischen, intel1ektue11e und körperlichen Gesichtspunkt aus beträgt der Wert über Frau zwei Drittel von dem des Mannes: 2 zu 3. Und weil die Gesellschaft auf der Einheit der drei Elemente Arbeit, Wissenschaft und Recht beruht, ist der Gesamtwert des Mannes und der Frau...wie 3 mal 3 mal 3 zu 2 mal 2 mal 2, d.h. 27 zu 8. Unter diesen Bedingungen kann keine Frau den Anspruch erheben, die Macht mit dem Manne zu teilen. Ihre Unterordnung ist unaufhebbar...
Vermutlich meinte Proudhon mit seinen unsäglichen Sottisen auch die französische Sozialist in Flora Tristan (1803-1844), deren "L'Union ouvriere" (Die Arbeitervereinigung) vier Jahre vor dem "Kommunistischen Manifest" in der 3. Auflage erschien. Die Arbeiter und Arbeiterinnen haben ihr dafür ein Denkmal errichtet, 1848 in Bordeaux.
Romina Schmitter

Das Predigtverbot für Pastorin Sabine Kurth
in der St. Martini-Kirche ist auf großen Protest gestossen. Romina Schmitter hat sich in einem Leserbrief an den Weser-Kurier und die TAZ dazu geäußert:

Mit seinem Predigtverbot für die Pastorin Sabine Kurth folgt Olaf Latzel, derzeit Pastor an der St.Martini-Kirche zu Bremen, nicht nur seiner Gemeindeordnung, nach der - in Anlehnung an einen rund zweitausendjährigen Text des Neuen Testaments - "einer Frau...nicht" erlaubt ist, "dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei"; er reiht sich darüber hinaus in eine Phalanx gleichgesinnter Amtsvorgänger ein. Zwar hat die schöne Kirche an der Weser liberale Theologen aufzuweisen, so den ebenso christlichen wie demokratischen Pastor Albert Kalthoff (1850-1906), der die amerikanische Pastorin Anna Howard Shaw (1847-1919) auf die Kanzel von St. Martini gelassen haben soll, nachdem sie im Sommer 1904 in Berlin gepredigt hatte. Aber offenbar war die Mehrheit der Pastoren dieser Kirche konservativ bis reaktionär wie zum Beispiel Gottlieb August Wimmer (1791-1863). Einige seiner Kanzelworte sind uns durch die bremer 48-erin Marie Mindermann erhalten, die sich, statt der Predigt andächtig zu lauschen, Notizen machte. Eines dieser Worte - "Ein größeres Scheusal giebt es nicht als ein emancipiertes Weib!" - läßt sich vielleicht für das nächste Predigtverbot in St. Martini als Begründung verwenden. Wiederholungen gehen bekanntlich auf Kosten der Wirkung, und - die nächste Pastorin kommt bestimmt... . Romina Schmitter, 18.06.2008

Neuer Text für altes Kirchenlied

Zum oben angeführten Konflikt passt die Neuversion des Liedes "Lobet den Herrn", das der Hanns Eisler Chor aus Berlin und Bremer Frauen bereits 1981 verfasst haben. Hier der von 1981 stammende Text: Feministische Version von 1981 "Lobet die Herren, sie sind ja das Größte im Leben.
Ihnen zu munden als Nachtisch, das ist euch gegeben.
Gebet nicht auf, putzt euch und harret darauf,
dann fangt ihr den Mann fürs Leben.

Lobet die Herren, die künstlich und fein euch bereiten,
die euch genießen nur in euren kanckigen Zeiten.
Denens gefällt, wenn ihr euch endlich entpellt!
Fügt euch und lasste euch leiten.

Lobet die Herren, die alles so herrlich regieren,
die für uns denken, uns lenken uns repräsentieren.
Sie meinens gut, schreiten voran voller Mut,
mit großen Schritten, nach - hinten."

Das Lied ist in dem Frauenliederbuch "Gestritten Gehofft Getanzt" erschienen, das Ellen Terwey selbst mit herausgegeben hat.


Bremer Geschichte frauenlos?

Erinnerungstafel an einem Gasthaus am Nordseedeich bei Wremen


Einmal mehr klammert Geschichtsschreibung den Beitrag von Frauen weitgehend aus:
Zu dem neu erschienen Buch hat Romina Schmitter eine kritische Stellungnahme geschrieben. wenn Sie sie lesen wollen, klicken Sie auf den Buchumschlag!

Frauen bei Solidarnosc Frankfurter Rundschau, 07.09.2005
In der Frankfurter Rundschau erschien am 30. August 2005 ein Artikel "Verblasster Mythos - Polens Held Lech Walesa", der sich Lech Walesa auseinander setzte. Der nachstehende Leserbrief wurde am 7.9. veröffentlicht.
LESERBRIEF zu: VERBLASSTER MYTHOS - POLENS "HELD"
Frauen bei Solidarnosc Frankfurter Rundschau, 07.09.2005

Zu Recht kritisiert Thomas Roser den derzeit gefeierten "Helden" Lech Walesa (Stasi-Mitarbeit des Arbeiterführers, Selbstvermarktung des Nobelpreisträgers von 1983, autoritärer Führungsstil des 1990 gewählten Präsidenten). Er vergisst dabei aber Walesas Verhalten gegenüber den Weggefährten von 1980, vor allem der Werftarbeiterin Anna Walentynowicz, zu erwähnen, die im August desselben Jahres mit ihm zusammen an der Spitze der Streikenden marschierte. Als Walesa am 18. August den Streik beenden wollte, da die Löhne der Danziger Werftarbeiter erhöht und die Entlassenen wieder eingestellt werden sollten, gingen die meisten Arbeiter nach Hause.

Die wenigen, die an der Forderung nach Freien Gewerkschaften festhielten (nach Anna das Ehepaar Andrzej und Joanna Gwiazda, der Chef der Untergrundzeitung "Der Arbeiter der Küste", Bogdan Borusewicz, und andere "Radikale"), blieben die Nacht über auf dem Werftgelände. Am nächsten Tag kamen die Arbeiter zurück, und erst von da an griff der Streik auf das ganze Land über. Das Ergebnis waren die 21 Forderungen des "Danziger Abkommens" vom 31. August zwischen den außerbetrieblichen Streikkomitees und der kommunistischen Partei und damit die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc". Viele Arbeiter wollten Anna als Führerin. Dass Lech Walesa es wurde, ging auf ihre Entscheidung zurück. In realistischer Einschätzung von Katholizismus und Patriarchat in Polen meinte sie, dass der politische Prestigewert eines Mannes höher ist als der einer noch so fähigen Frau und damit der neuen Gewerkschaft nützlicher sein würde. "Gut die Hälfte der Solidarnosc-Mitglieder waren Frauen", sagte die frühere Solidarnosc-Aktivistin und heutige Ministerin Barbara Labuda in einem Interview. "Ohne sie hätte es kaum Untergrundzeitungen und konspirative Radiosender in der Kriegszeit gegeben. Sie wurden genauso schikaniert wie die Männer. Aber in den Büchern über Solidarnosc kommen die Frauen nicht vor."

ROMINA SCHMITTER, BREMEN

Offener Brief an den Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft zur attraktiven Nutzung der ehemaligen Bibliotheksräume durch das Bremer Frauenmuseum e.V..