Das Bremer Frauenmuseum veranstaltet jährlich Vortragsreihen zu bestimmten Themen. Einen Teil dieser Vorträge finden Sie hier. Sollten Sie Interesse an einem der genannten
Themen haben, können Sie sich über unsere Kontaktadresse mit den Referentinnen in Verbindung setzen.
Malweiber in Bremen
Am 9. Juli hielt die Leiterin des Overbeck-Museums, Dr. Katja Poushirazi, aus Anlass der Ausstellung des Werkes von Hermine Overbeck-Rohte einen bemerkenswerten Vortrag über die "Malweiber" -
eine abwertende Bezeichnung für Frauen, die sich auf den Weg machten, ihr künstlerisches Schaffen als Profession zu betreiben. Frauen mussten sich mühsam den Zugang zu den Akademien erkämpfen und es gelang ihnen jedoch zuerst zu einer Zeit, als die männlichen Kollegen sich weitgehend von der akademischen Malweise befreiten. Die Referentin beleuchtete in ihrem Vortrag die Situation malender Frauen seit der Renaissance
Welchen Schwierigkeiten und Hindernissen sie ausgesetzt waren, können sie hier lesen.
23. Januar 2010
"Fliegende Frauen": Weibliche Piloten in der Geschichte der Luftfahrt
Vortrag von Maria Hermes
Der Vortrag befasste sich auf der Grundlage der Biographien von drei Pilotinnen mit der Konstituierung der Luftfahrt als genuin männlicher Domäne im Deutschland des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Bereits die ersten Ballonfahrerinnen mussten sich, bevor sie überhaupt an eine praktische Betätigung in der Luftschiffahrt denken konnten,
mit ihrem Geschlecht und gesellschaftlichen Anforderungen an dieses Geschlecht auseinandersetzen; etwas, das für ihre männlichen (Berufs-)Kollegen keine Rolle spielte. So wurde der erste Ballonaufstieg von Käthe Paulus, der ersten Frau, die (in den 1890er Jahren) nicht nur Ballonfahrten unternahm, sondern auch Fallschirmabsprünge wagte, durch ein
Verbot der Behörden verzögert: Die praktische Betätigung einer Dame in der Luftschiffahrt schicke sich nicht. – Jahre später sollte Käthe Paulus ihren Lebensunterhalt mit Flugvorführungen verdienen. Hier wusste sie ihre Außenseiterstellung in der Luftfahrt zu nutzen: Durch den – auch mittels ihrer ungewöhnlichen „Männerkleidung“ (sie trug wie alle
Aviatikerinnen Hosen statt der üblichen langen Röcke) – erzeugten Unterhaltungswert (es handelte sich immerhin um eine Frau, die da flog) waren ihre Flugvorführungen für Käthe Paulus finanziell sehr einträglich. In zeitgenössischen Zeitungen entwickelte sich jedoch mit der Beschreibung der
Kleidung der fliegenden Frauen ein eigener Diskurs, der ihre fliegerische Betätigung in großen Teilen auf die Kleiderfrage reduzierte und die Betätigung von Frauen in der Luftfahrt nicht zu einer Selbstverständlichkeit werden ließ.
Dies bekam auchMelli Beese , Deutschlands erste Motorflugpilotin, zu spüren. Nachdem sie nach längerem Bemühen endlich eine Flugschule gefunden hatte, die sie ausbildete, musste sie teils mit lebensgefählichen Sabotagen der anderen Flugschüler rechnen: Fliegen war ein teures Vergnügen, der Konkurrenzdruck
unter den Flugschülern dementsprechend stark. Frauen, die in der Frühzeit der Luftfahrt immer eine Minderheit darstellten, wurden leicht sabotiert. Tatsächlich gab es vor dem Ersten Weltkrieg nur drei Frauen mit Motorflugschein in Deutschland.
Die in der Vorkriegszeit gelegten Grundlagen für die Konstituierung der Luftfahrt als männlichem Raum festigten sich während des Ersten Weltkrieges, als mit der Konnotation Pilot = männlicher Held das Flugzeug seine endgültige Geschlechtszuschreibung erfuhr. Wie ungewöhnlich es auch heute noch scheint, dass Frauen (Berufs-)pilotinnen sind, wird an
der Benennung einer Straße nach Hanna Kunath, Bremens erster weiblicher Pilotin, deutlich: Als Grund für die Benennung gibt das Bremer Straßenlexikon an, Kunath sei als Frau Pilotin gewesen.
Heute Vertritt die Vereinigung Deutscher Pilotinnen die fliegenden Frauen. Zu ihrer Historie schreiben sie:
"Gegründet am 6. April 1968 auf Gut Petersau bei Worms von neun Pilotinnen, darunter so berühmte Namen wie Elly Beinhorn (geb.1907), die schon in den Dreißiger Jahren alle fünf Kontinente mit dem Flugzeug eroberte und Hanna Reitsch (1912 - 1979), die erste Hubschrauber- und Jetpilotin der Welt. Heute zählt die VDP ca. 300 Mitglieder aus allen Sparten der Luftfahrt: Berufspilotinnen, Hubschrauber-, Motor-, Segel- und Ultraleichtfliegerinnen sowie Ballonfahrerinnen."
Zu nennen wären noch weitere Pionierinnen:
Luise Hoffmann (1910-1935), Kunstfliegerin, erste Einfliegerin für ein deutsches Flugzeugwerk
Sabiha Gökcen (1913-2001), erste Majorin der Welt in der Verwendung als Kampfpilotin bei der türkischen Luftwaffe
Geraldine "Jerrie" Mock (*1925), die als erste Frau erfolgreich die Welt umflog
Beryl Markham (1902-1986),die erste Berufspilotin Afrikas, die als Erste allein von London über den Atlantik flog.
weitere finden Sie hier und hier und in Oklahoma (USA) gibt es sogar ein Museum der fliegenden Frauen. und das International Women's Air & Space Museum in Cleveland/USA:
Vom Verein veranstaltete Vortragsveranstaltungen, die meisten sind in Kooperation mit anderen Partnern und Partnerinnen durchgeführt worden.
Die Aufstellung ist der neuen Chronik entnommen.
2010
Maria Hermes: Uber Fliegerinnen
Romina Schmitter: Wer war Lucretia de Saint Simon, Annaherung an eine Künstlerin
2009
Edith Laudowicz: Das Frauenwahlrecht -heiß erkämpft und jetzt vergessen?
Christine Holzner Rabe: Frauen an der Macht - Portraits von Frauen in politischen Ämtern heute und gestern
ManuelaGitti Henschel: Frauen und Pazifismus - Von der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit zur UNO-Resolution Nr. 1325
2008
Christine Holzner-Rabe:Ich habe geschrieben,weil es kein anderer tat
2007
zur Ausstellung Paula in Paris:
Angelika Sinn; Himmelssüchtig
Heidemarie Voigt: Will leben
Christine Holzner-Rabe: Clara Westhoff
Christine Holzner-Rabe zum 200. Geburtstag von Marie Mindermann: Ich habe geschrieben,weil es kein anderer tat
2006
Vortragsreihe: Gebildete Mädchen – Kluge Frauen
Wiltrud Ulrike Drechsel: Bildungswege und Bildungschancen für Frauen im 19. Jahrhundert in Bremen
2005
Dr. Renate OldermannLeben zwischen Gebet und Arbeit - Alltag in mittelalterlichen Frauenklöstern
Ursula El Akramy :Zwei Lebenswege: Margarete Steffin und Maria Osten
Edith Laudowicz: Der Schleier als Bildungsschranke?
2005
Vorträge zum Grundgesetztag am 23. Mai:Elisabeth Hannover-Drück: Marie Mindermann
Christine Holzner-Rabe: Elisabeth Selbert
2004
Vortrag von Christine Holzner-Rabe zum 50. Todestag der Malerin und Bildhauerin Clara Rilke-Westhoff:
Was ist Malen für eine schöne Sache!
Edith Laudowicz: Frauen in Vietnam heute
2003
Katrin Klug: Astrid Lindgren – von Pippi bis zur Hexe Pompirossa, Ein Frauenleben
2002
Dr. Heike Schröter: Das Frauenbild in den Schulgeschichtsbüchern der BRD und der DDR
Elisabeth Hannover-Drück: Kaiserin Friedrich und die deutsche Frauenbewegung – ein Nachtrag zum Preußenjahr
2000
Petra Brödner: Unternehmerinnen des Mittelalters? Wirtschaftsweise und Erwerbsarbeit von Frauenklostern und Beginenhofen
Eva Determann und Elisabeth Hannover-Drück:Zur Situation von Zwangsarbeiterinnen in Bremen –gestern und heute
Dr. Sabine Toppe: Armut in einem reichen Land: Über die Lebenssituation von Sozialhilfeempfängerinnen und
ihrer Kinder in der BRD
Edith Laudowicz: Judentum und Christentum
2001
im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums unseres Vereins:Ingrid Löwer: Kunstbiennale Venedig 2001 – Beiträge von Künstlerinnen
1999
Frauen vor Ort: Vortragsreihe zur Ausstellung 40+10=50 Jahre deutsche Geschichte.
Romina Schmitter:Gemeinsam sind wir stark. Zur Neuen Frauenbewegung in Bremen
Prof. Dr. Renate Meyer-Braun: Manches vergisst man eben nie. Bremer Werftarbeiterfamilien in den 50er Jahren.
Katrin Klug: Frauenmythen aus Tausend und einem Jahr
1998
Romina Schmitter und Edith Laudowicz: Frauen in Revolutionen
1997
Prof. Dr. Renate Meyer-Braun: Zeit der Männer – Zeit der Frauen
Edith Laudowicz: Paula Becker-Modersohn – ein Frauenleben, ein Künstlerinnenleben
Romina Schmitter: Dienstmädchen, Jutearbeiterinnen und Schneiderinnen – Frauenarbeit in der Stadt Bremen 1871–1914
Elisabeth Hannover-Drück: Hausgehilfinnen, Angestellte und Arbeiterinnen – Frauenerwerbsarbeit in Bremen zur Zeit
der Weimarer Republik 1919–1933
1994
zur Eröffnung der Ausstellung im Haus der Bremischen Burgerschaft:Die Bedeutung des Frauenwahlrechts fur die Demokratie.
75 Jahre Frauenwahlrecht: Vortrage von Romina Schmitter, Christine Holzner-Rabe und Renate Meyer-Braun
1992
Prof. Dr. Ute Gerhard: Auguste Kirchhoff – Bürgerin Bremens und Radikale der Frauenbewegung
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